Offener Brief zur dringenden Wakenitzpflege

An den
Bürgermeister der Hansestadt Lübeck
Herrn Jan Lindenau

Lübeck, 02.09.2026

Sehr geehrter Herr Bürgermeister Lindenau,

es ist schön zu lesen, dass sich die Politik nun etwas in Richtung Wakenitz-Pflege orientieren möchte. Der aktuelle
Antrag der SPD in der Bürgerschaft zeigt, dass die zunehmende Verkrautung und die damit verbundene
Problematik inzwischen auch politisch wahrgenommen werden. Wir sehen diesen Pflegebedarf als äußerst
dringlich und als in angemessenem Umfang kurzfristig durchzusetzen. Dies haben wir über den Sommer und
aktuell mit viel Engagement zu erreichen versucht und verfolgen die Umsetzung weiter. Nun wäre ein offener
Austausch mit effektiver Handlungsbereitschaft ein weiterer Schritt, die Wakenitz nicht länger mit der Last von
Pflanzen, Schlamm und Nährstoffen allein zu lassen. Das ist aus unserer Sicht keineswegs lediglich
jahreszeitentypisch oder als normal hinzunehmen, denn die zunehmende Belastung wächst progressiv und mit
ihr die Problematik der Verlandung.

Aus unserer Sicht liegen aktuell stabile und belastbare Daten zur Wasserqualität vor. Was fehlt, sind praktische
Umsetzungen von Pflegemaßnahmen, wie die Entfernung der freischwimmenden Pflanzen, bevor sie absinken
und durch ihre Zersetzung zur weiteren organischen Sedimentbildung und Nährstoffbelastung beitragen.

Auch wäre zu prüfen, ob im Bereich der bereits installierten Sonden der TH Lübeck zunächst ein begrenzter
Versuch zur Sedimentfreilegung bzw. Schlammspülung durchgeführt werden kann. So könnten kostengünstig
abrufbare Messdaten gewonnen werden, anhand derer sich beobachten lässt, wie sich die Wasserwerte
während und nach einer solchen Maßnahme verändern. Dies wäre aus unserer Sicht ein wichtiger Schritt, um
Erfahrungen für ein sinnvolles Schlamm-Management im Bereich der Stadtwakenitz und ihrer Naherholungszone
zu gewinnen.

Weiter fordern wir die Stadt auf, die Gutachten für die Krautentnahme in den Vereinsregionen auszusetzen bzw.
zu prüfen, ob und in welchem Umfang diese Gutachten für die konkreten Maßnahmen tatsächlich erforderlich
sind. Der Fall der Badeanstalt Krähenteich zeigt jährlich unangemessene steigende Kosten, die aktuell auch noch
ein Gutachten erfordern, um die Bademöglichkeit überhaupt zu ermöglichen. Die Vereine sind äußerst wichtig
für das städtische Leben und sollten in ihren Arbeitsbereichen maßgebliche Unterstützung und vor allen Dingen
Vertrauen seitens der Stadt erhalten. Art und Umfang einer notwendigen Entkrautung in den touristischen und
erholungsrelevanten Zonen sollten mit weniger Bürokratie und schnellen, effektiven Handlungsszenarien
gestaltet werden. Wir möchten dringend dazu raten, auf unnötige Weiterleitungen zwischen Behörden und
Ämtern zu verzichten und die Stellen klar zu benennen, die für endgültige und umsetzbare Entscheidungen
zuständig sind.

Wir haben weitere Ideen und Forderungen zur Pflege der Stadtwakenitz, die sich als wichtiger Nutz- und
Schutzbereich für die Stadtgesundheit sowohl im politischen, gesundheitlichen als auch touristischen Bereich
zeigt.

Dabei ist uns ausdrücklich wichtig: Die hier vorgeschlagenen kurzfristigen Pflegemaßnahmen können und sollen
die notwendigen gewässerökologischen Untersuchungen nicht ersetzen. Diese müssen weiterhin durchgeführt
und ausgewertet werden, um die Ursachen der bestehenden Belastungen und die langfristige Entwicklung des
Gewässers fachlich zu erfassen. Die kurzfristigen Maßnahmen verstehen wir daher ausdrücklich als
Symptombekämpfung und als Möglichkeit, akute Belastungen zu begrenzen und gleichzeitig praktische
Erfahrungen zu sammeln.

Die notwendige nachhaltige Wakenitz-Sanierung im Sinne der Konzeptskizze muss davon unabhängig
weiterverfolgt und umgesetzt werden. Kurzfristige Pflege und langfristige Sanierung dürfen nicht gegeneinander
ausgespielt werden, sondern müssen aus unserer Sicht parallel erfolgen.

Wir hoffen sehr, Sie suchen den Austausch mit allen Beteiligten, damit ein effektives und kurzfristiges Konzept für
die Wakenitz erstellt und umgesetzt werden kann. Wir weisen ausdrücklich darauf hin, dass die Sanierung der
oberen Wakenitz ebenfalls ein wichtiger Aspekt ist, den wir unterstützen. Hier geht es nun jedoch um
Schadensbegrenzung für einen Fluss, der sich nicht mehr allein helfen kann.

Mit freundlichen Grüßen

Nici Mende für