Die Naherholung wird in Lübeck als eher schadhafter Faktor angesehen. Sie wird als Verteiler der Pflanzenstoffe (z.B. in Bootsschrauben) beschrieben! Über Pflanzenstoffe in Tierkot (Gänse, Schwäne etc.) wird nicht nachgedacht.
Insgesamt sollte der Faktor Naherholung eine übergeordnete Rolle spielen. Der Lübecker Naturschutz sollte diesen Faktor deutlicher einbeziehen und fördern. Zerkarien befallen den Menschen irrtümlich, (infoblattzerkarien.pdf) belasten dennoch die Gesundheit und Erholungsrate der Erholungssuchenden. Diese Würmer entwickeln sich in Süßwasserschnecken, die in pflanzenreichen Gewässern leben. Die Verkrautung fördert den Lebensraum für Süßwasserschnecken und Mückenlarven. Dieser Faktor wird in der Konzeptskizze zur Sanierung der Wakenitz nicht bedacht. Die Konzeptskizze findet man hier: doc1717902.pdf
Stattdessen werden Wildnisprojekte auf die stadtnahe Wakenitz ausgeweitet, auf ein Gebiet, das nicht zuletzt auch für den Tourismus eine wichtige Rolle spielt.
Die Naherholung sollte lt. Bundesumweltamt deutlich mit in den Fokus genommen werden.
- „Menschen zieht es zum Wasser, denn lebendige Flusslandschaften ermöglichen eine intensive Naturbegegnung. Naturnahe Gewässer sind interessante Erholungsgebiete, erhöhen die Attraktivität von Städten und Regionen und verstärken deren touristische Anziehungskraft. Durch Renaturierung lässt sich diese Funktion von Gewässern verbessern oder zurückgewinnen.“[1] (Umweltbundesamt)
[1] Erholung und Tourismus am renaturierten Fluss, Bundesumweltamt
Das sieht der Naturschutz Lübecks eher anders. In vielen Artikeln der LN werden Freizeitkonflikte erwähnt, die Beschränkungen der Naherholung gefordert und sogar in der Konzeptskizze als zu lösender Konflikt verankert. Der Freizeitdruck sei für die Wakenitz nicht tragbar. Das sehen wir anders. Hier sollte die Sanierung des Flusses nicht auf dem Rücken der Stadtgesundheit ausgearbeitet werden. Die Wakenitz kann ein durchaus ansprechendes Freizeitparadies mit lebendiger Natur sein. Das haben wir in einem
Die Wakenitz ist nach unserer Ansicht ein Fließgewässer, das sich selbst überlassen ist und zukünftig trotz der Altlasten keine regulierende Pflege erhalten soll. Sie ist ein Ökosystem, das dringend ausgeglichenen Naturschutzes bedarf. Naturschutz zielt darauf ab, die Artenvielfalt, Ökosystemvielfalt und genetische Vielfalt zu bewahren. Er soll die Lebensgrundlagen für Menschen, Tiere und Pflanzen sichern! Das findet und fand im Ökosystem Wakenitz nicht statt.
Im Gespräch mit einigen Konzeptentwickelnden wurde von einer „ruhenden“ Wakenitz gesprochen, die sich so erholen soll. Uferbefestigungen an Wegen und Zugänge zum Wasser sollen reduziert werden. Diese Aussage findet sich in der „Strategie zum Erhalt der biologischen Vielfalt in Schleswig-Holstein“[1] wieder, die eine Grundlage der Konzeptskizze bildet:
- „Wildnisnetzwerk „Wildes SH“ Um die heimische Biodiversität und insbesondere spe[ ]ziell angepasste Arten langfristig zu erhalten, müssen der Natur Räume überlassen bzw. zurückgegeben werden, die frei von anthropogenen Nutzungen sind. Nur in diesen sogenannten Wildnisgebieten können natürliche Selbst[ ]organisationsprozesse der Natur weitgehend ungestört und unbeeinflusst ablaufen.“ [2]
Diese Erschließung soll laut des Schutzgebiets- und Biotopverbundsystem (SBVS – LLUR 2020) 2% des Biotopes ausmachen. Die Wakenitz ist 14km lang und verfügt insgesamt über deutlich mehr als 2% Wildgebiet.
- Zwei Prozent Wildnisgebiete: Innerhalb des SBVS werden mindestens zwei Prozent der Landfläche sowie marine Lebensräume als Wildnisgebiete einer weitgehend eigendynamischen und ungestörten Entwicklung überlassen. [2]
Dennoch werden im Stadtbereich Wildgebiete erschlossen, das kann bereits in den Vogelsangwiesen erlebt werden. Es gibt keine Entnahmen von alten Pflanzen oder umgefallenen Bäumen mehr. Über die Jahre stellt sich die Frage einer Brandgefahr und einer zweckmäßigen Förderung der Biodiversität. Ob an Land oder im Wasser scheint die Biodiversität in Frage gestellt. Die erdrückenden Verkrautungen und wachsenden Verwilderungen mit hohem Vorkommen invasiver Tierarten wird sich nicht selbst regulieren. Es herrscht das Gesetz des Stärkeren „Survival of the fittest“.

MENSCH & NATUR – verträglich
Die Sicherung eines unscheinbaren Haubentauchernestes am Rande der Fahrrinne, gelang mit ein paar Sichtbojen und Aushängen in den Bootsverleihstationen und an den Badeeinstiegen.
Abgesehen von immer wieder auftretenden Freizeitsündigen, sehen wir eher einen Pro-Natur-Trend. Der Mensch schätzt die Natur und wäre bereit dies zu beweisen. Tiere erholen sich schnell oder lassen sich nicht einmal mehr stören, wenn Menschen neben ihnen entlanggleiten. Von warmen Sonnentagen mit hoher Freizeitnutzung kann sich die Wakenitz sicherlich besser erholen, als von der erdrückenden Pflanzenlast.
Der Naherholung Schuld an der Verkrautung zu geben, scheint unberechtigt. Es ist jedoch nicht so leicht von der Hand zu weisen, dass Schwäne und Gänse mittlerweile als Rechenfaktor für Nährstoffeintrag gerechnet werden müssen. Die Wakenitz im Bereich der Falkenwiese beherbergte im Frühjahr 2026 über 100 Schwäne und im Sommer zahlreiche Kolonien Gänse mit über 50 Tieren. Beide Gattungen werden bis 20 Jahre alt, und haben keine natürlichen Feinde. Die Konzeptskizze übersieht diese Problematik und den Sachverhalt, dass die ruhenden Dickichte im Bereich der Naherholung eine gute Vermehrungszone für Nutria, Ratten, und Waschbären sind.
Beziehen wir uns auf die Naherholung des Menschen, wäre der Aspekt des Tourismus zusätzlich zu bedenken. Kaum eine Stadt kann ein solches Angebot an Badeerlebnis im Stadtbereich und an der Küste anbieten. Lübeck hat damit mittlerweile Probleme, denn die Verkrautung, das Verbot ihrer Reduzierung und der Umgang mit der Gewässerqualität setzen dem Bade- und Sommererlebnis stark zu.
[2] Strategie zum Erhalt der biologischen Vielfalt in Schleswig-Holstein


Naherholung im Fokus
Naherholung kann durchaus naturverträglich gefördert werden. Eine saisonabhängige Infrastruktur, gute Aufklärung, Sicherung gefährdeter Zonen und Freigabe geduldeter Badezonen, schafft eine bessere Akzeptanz für die Natur.
Die gemeinschaftliche Schulung mit ihrem Umgang und gezielte Pflegemaßnahmen sollten wenigstens zur Diskussion gestellt werden, Konzepte hierzu in Testphasen zugelassen werden und unbürokratisch, zeitnah ausgewertet werden.
Gartenstrategien der wassernahen Grundstücke können mit guter Aufklärung und der jetzt schon reichlich vorhandenen Pflanzendiversität als durchaus naturfördernd betrachtet werden. Hier liegt die Pflege der Arten in privaten Händen. Das stellt eine gute Grundlage zur Förderung des Artenschutzes dar. Invasive Pflanzen können hier sehr gut kontrolliert und reduziert werden.
